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Lesetipps der Mitglieder unserer Initiative

 

Rutger Bregman

Die Rückkehr der Hoffnung

Vier Lektionen über die Kraft der Moral

Rowohlt 15,00 €

 

In Kürze: Das Büchlein des bekannten Historikers und Journalisten aus den Niederlanden versammelt vier Vorträge, die der Autor 2025 im Rahmen der BBC Reith Lectures in Großbritannien gehalten hat. „Nicht die Fähigsten regieren die Welt, sondern die Schamlosesten. (…) Leidenschaftlich plädiert Bregman für einen radikalen Humanismus und zeigt anschaulich, wie die Kraft kleiner, entschlossener Gruppen den Lauf der Geschichte verändern kann.“ (Klappentext)

 

Zum Inhalt:

Der erste Vortrag Bregmans bietet unter dem Titel „Eine Zeit der Monster“ eine düstere Analyse der Gegenwart. Milliardäre zahlen keine Steuern, der Faschismus erstarkt, „moralische Verkommenheit und mangelnde Ernsthaftigkeit (…) sind die Hauptmerkmale der heutigen politischen Führer.“ Bregman versteht sich als Sozialdemokrat alter Schule und sieht dennoch die Linke als gescheitert an. Das einzig Tröstliche in diesem Vortrag ist für mich und wahrscheinlich für viele unter uns, dass es auch andere kluge und klügere Köpfe gibt, die die Lage ähnlich beurteilen.

„Wie man eine moralische Revolution beginnt“, ist der zweite Vortrag überschrieben. Hier entfaltet der Historiker ein anschauliches Panorama moralischer Pioniertaten und verbindet sie mit Notizen zu seiner persönlichen Entwicklung. Angesichts der aktuellen Lage kommt Bregman zu dem Schluss, es sei für ihn selbst an der Zeit, nicht nur zu analysieren und zu kommentieren, sondern zu handeln. Frauenwahlrecht, Abschaffung der Sklaverei, Einführung der Sozialgesetzgebung usw. seien auch zunächst durch kleine Gruppen unbeirrbarer Menschen gefordert und schließlich doch tatsächlich politisch erstritten worden.

„Eine Verschwörung der Anständigen“ fordert Bregman im dritten Vortrag. Anhand historischer Beispiele zeigt er auf, wie spät politische Veränderungen auf einen längst vollzogenen Wandel der öffentlichen Meinung folgen. Oft geschieht erst nach einer Generation das politisch Unvermeidliche. Meist führen Krisen zu wirklichen Veränderungen. Für unsere Gegenwart konstatiert Bregmann (recht optimistisch), wir befänden uns bereits „mitten in einer stillen Renaissance des wirtschafts- und sozialpolitischen Denkens.“ Die Rolle des Staates werde wieder geschätzt, die Rezepte des Neoliberalismus seien gescheitert.

„Der Kampf für die Menschlichkeit im Zeitalter der Maschine“ ist das Thema des vierten Vortrags. Die Philosophie und das Leben Bertrand Russells beschreibt Bregman als wegweisend für seine eigene geistige und moralische Entwicklung. Russells Freiheit des Denkens und sein „radikaler Humanismus“ lieferten auch heute noch die Grundlage für einen aufgeklärten und moralischen Umgang mit unserer neuen technischen Revolution. „Wir bauen Systeme, die wir nicht verstehen und möglicherweise nicht kontrollieren können.“ „Wie können wir diese Zeitenwende ohne den Trost einer Religion bewältigen?“, fragt Bregman. Was gilt es angesichts der Angriffe auf die Menschlichkeit unbedingt zu verteidigen? Die Antwort liege in der menschlichen Natur: Heilig seien ihm das Bedürfnis nach Liebe, das Streben nach Wissen und das Mitleid mit der leidenden Menschheit. „Alles Menschliche ist heilig – das ist die Erkenntnis, die uns die Geschichte offenbart.“ Dabei versteht sich der Autor nicht als Atheist, sondern als Agnostiker. Er habe das Interesse an Debatten über Glauben und Unglaube komplett verloren. Denn wichtig sei nicht, „was Menschen glauben, sondern was sie tun.“

 

Mein Fazit: Der Bestsellerautor hat hier ein Plädoyer für Demokratie, Menschlichkeit und Moral vorgelegt, das ermunternd wirkt. Da es sich bei den Texten um BBC-Vorträge handelt, kommt das Büchlein fast ohne Fußnoten und Anmerkungen aus. Es lässt sich flüssig lesen, auch in Etappen und damit beispielsweise auf Reisen. Eine Lektüre für zwischendurch, die durchaus Mut macht in diesen Zeiten.

Viel Freude beim Lesen

Werner

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